Abbildung 3: Breadcrumbs, die dem User zeigen, wo er sich befindet
Um die Erwartungshaltung der Product Owner besser zu verstehen, empfiehlt es sich, gemeinsam Ziele für die Weiterentwicklung zu definieren. Daraus lassen sich konkrete Design-Prinzipien ableiten – sowohl für das UI als auch für das UX. Besonders wirkungsvoll ist es, Theorie und Praxis direkt miteinander zu verknüpfen.
Dazu kann man in einer kreativen Phase beispielsweise mit der Crazy-8-Methode arbeiten. So wird das Denken „out of the Box“ gefördert und es können in kurzer Zeit zahlreiche Ideen gesammelt werden. (Diese und weitere kreative Methoden haben wir in unserem Design Thinking Toolkit zusammengefasst.) Die Ergebnisse, die bei dieser kreativen Methode entwickelt wurden, wurden gemeinsam geclustert, mit Dot-Voting vorpriorisiert und abschließend mit der MoSCoW-Methode final priorisiert. Am Ende steht eine klare Roadmap, die zeigt, welche Verbesserungen sofort angegangen werden sollten und welche später folgen können.
Prototyping und Umsetzung
Mit diesen Erkenntnissen konnten verschiedene Flows in Figma ausgearbeitet werden. Für alle, die Figma nicht täglich nutzen: Flows sind dort interaktive Abläufe, die zeigen, wie Nutzer:innen durch verschiedene Screens und Funktionen einer Anwendung navigieren. Sie sind ideal, um Prozesse und Designs schnell erlebbar zu machen und Feedback einzuholen, bevor etwas aufwendig umgesetzt wird.
Gerade wenn Zeit und Budget begrenzt sind, ist es entscheidend, den Fokus auf die wesentlichen Prozesse zu legen. Statt jedes Detail auszuarbeiten, konzentriert man sich auf die Kernfunktionen, die den größten Mehrwert bringen. Wiederverwendbare UI-Komponenten helfen dabei, Entwicklungsaufwand zu reduzieren und Geschwindigkeit zu gewinnen. Dabei ist wichtig, dass die UI-Komponenten möglichst einfach sind – mit wenigen Status und nicht wie in einem professionellen Design System für ganze Designer-Teams. Ebenso wichtig ist es, frühzeitig Feedback einzuholen, was im Fall von unserem Kunden auch getan wurde. Das Workshop-Team traf sich erneut, um die Ergebnisse zu diskutieren und anschließend eine weitere, kurze Umsetzungs-Iteration zu drehen.
Der größte Mehrwert für den Kunden lag darin, UI-Komponenten im neuen Design schnell zu entwickeln und auf die gesamte Software zu übertragen. Das Team erhielt dadurch eine klare Richtung für die Weiterentwicklung und konnte unmittelbar handlungsfähig werden.
Zusammenfassung: So erzielen Sie schnelle UI/UX-Erfolge
Exkurs: UI vs. UX – Wo liegt der Unterschied?
Oft werden die Begriffe „UI“ (User Interface) und „UX“ (User Experience) synonym verwendet, obwohl sie unterschiedliche Aspekte der Gestaltung betreffen. UI beschreibt die visuelle und interaktive Oberfläche einer Anwendung, also die Farben, Typografie, Buttons, Layout und alle Elemente, die User sehen und bedienen. UX hingegen umfasst das gesamte Nutzungserlebnis: Wie intuitiv ist die Navigation? Wie schnell findet man die gewünschten Funktionen? Wie fühlt sich der Prozess an? Von der ersten Interaktion bis zum Abschluss einer Aufgabe.
Kurz gesagt: UI beschreibt den Look und UX das Feeling. Beide Disziplinen greifen ineinander, aber eine schöne Oberfläche allein macht noch keine gute User Experience. Erst wenn Design, Funktionalität und Nutzerbedürfnisse zusammenpassen, entsteht ein stimmiges Gesamtbild.
Titelbild: fauxels von Pexel